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Corona: Sind Jugendliche zu sorglos?

Gehen Jugendliche tatsächlich verantwortungsloser als andere mit der Corona-Situation, ihrer Gesundheit und der Gesundheit ihrer Mitmenschen um? Hier ein paar Fakten und Gedanken zum Thema "Jugend in Corona-Zeiten".


Jugend in Corona-Zeiten

Jugendliche stehen teilweise stark in der Kritik, die Corona-Hygieneregeln zu missachten und verantwortungslos zu sein. Allein, wenn ich meine (kinderlosen) Kolleginnen morgens höre, sind es vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in der U-Bahn - wenn überhaupt - nur halbherzig, also nasenfrei, die Maske tragen. Gehen Jugendliche, also die "Generation Corona", tatsächlich sorglos mit der Corona-Situation, ihrer Gesundheit und der Gesundheit anderer um? Treffen sie sich und feiern sie wie gehabt in großen Cliquen, ignorieren sie jegliche Abstandsregeln und umarmen sich wie in Vor-Corona-Zeiten?

Corona-Studie: Wissen beeinflusst Verhalten der Jugend

Eine aktuelle Studie* zeigt, dass das Wissen über Corona und COVID-19 das Verhalten junger Menschen stark beeinflusst. Jugendliche, die gut darüber informiert sind, wie schwer eine Erkrankung mit COVID-19 sich entwickeln kann und was soziale Verantwortung bedeutet, verhielten sich nach Beobachtung der Wissenschaftler verantwortungsbewusster als Teenager, die wenig informiert waren. Jugendliche mit mehr Kenntnissen rund um COVID-19 achteten mehr auf Abstand (social distance) und auf Hygiene sowie Desinfektion. In der amerikanischen Studie wurden insgesamt Daten von 770 Jugendlichen (74,7% Mädchen) ausgewertet. Das Studienfazit "Wissen prägt das (Corona)-Verhalten" lässt sich vermutlich auf Deutschland übertragen. Allerdings fand die Befragung bereits Ende März statt, vielleicht hat sich hier mit den hohen Fall- und Todeszahlen noch mehr an der Einstellung geändert. Oder aber die anhaltenden Einschränkungen zum Corona-Schutz haben zu mehr Protesthaltung geführt.

Eltern prägen das soziale Bewusstsein - nicht nur in Corona-Zeiten

Zu wenige Fakten, große Unwissenheit über Corona und die Unberechenbarkeit von COVID-19 machen diese Krise so schwierig. Dadurch bedingt ist Corona ein stark polarisierendes Thema. Schon bei uns im Büro entscheiden die verschiedenen Ansichten über ein entspanntes oder unentspanntes Miteinander. Einige reagieren extrem in die eine (ängstliche) Richtung oder in die andere (freiheitsliebende) Richtung. Ich bin auch glücklich, dass wir in einem freien Land leben, halte aber das Ernstnehmen von Ängsten und ein soziales Bewusstsein bei dem Thema für sehr wichtig - was ich meinen Kindern ganz grundsätzlich, also auch losgelöst von Corona, zu vermitteln versuche. Ich denke, hier haben wir Eltern eine ganz klare Vorbildfunktion. Zumal: Wer kann bei Corona schon mit Gewissheit vorhersagen, dass es ihn und seine Familie nicht schlimm treffen wird? Oder wer möchte die Verantwortung übernehmen, wenn er einen Menschen bewusst ansteckt (z.B. durch Verleumdung von Corona) und dieser vielleicht einen lebensgefährlichen COVID-19-Verlauf erlebt? Daher ist meiner Meinung nach soziale Verantwortung ein Muss!

Die Corona-Jugend ist nicht beneidenswert

Was mich aber ärgert, ist das generelle Verteufeln der „heutigen Jugend“. Die jetzige Teenie-Generation hat meiner Meinung nach in ihrer freien Entwicklung mit am meisten unter den Corona-Einschränkungen gelitten. Sie durften - zumindest in Bayern - lange keine Freunde treffen, keinen Mannschaftssport treiben, nicht ins Fitnesscenter, nicht auf Klassenfahrten oder sonstige Freizeiten gehen, nicht in Jugendtreffs und Clubs oder ins Schwimmbad, keine Großeltern besuchen und mussten sich mit mehr oder wenig gut organisiertem Homeschooling arrangieren. Sollten ihre Eltern starke finanzielle Einbußen durch die Corona-Krise erlitten haben oder sind die Eltern beruflich (z.B. in der Pflege oder im Einzelhandel) noch mehr belastet, spüren die Kinder dies natürlich auch und es wirkt sich auf ihr Leben aus. Daher finde ich: Es ist nicht einfach, in Corona-Zeiten zu den Heranwachsenden zu zählen! Ich bitte um etwas Nachsicht und Verständnis, dass die beste Freundin, weil man sowieso ständig Zeit zusammen verbringt, beim Treffen in der Öffentlichkeit umarmt wird und für ein paar Stunden Corona-Sorgen ausgeblendet werden. Im Bus, im Supermarkt, in der Schule etc. heißt es dann zum Eigen- und Gemeinschaftsschutz wieder "Maske auf"!

"Digitales Aufwachsen" hat auch Vorteile

Dass unsere Kinder mit digitalen Medien aufwachsen, hat im Übrigen zumindest den Lockdown etwas erträglicher gemacht und war mehr ein Segen als ein Fluch. So konnten die Freunde chatten, gemeinsam online spielen und selbst Training-Workouts per Video-Schalte zusammen absolvieren. Ein kleiner Trost! Jetzt müssen sie vielerorts maskiert im Unterricht sitzen und sind für viele die Buh-Männer/Frauen, weil sie sich nach der Schule mit ihrer Clique treffen und ein Stückweit Unbeschwertheit und Leichtigkeit genießen möchten. Deswegen handeln sie aber nicht gleich verantwortungslos oder möchten gar ihre Mitmenschen bewusst gesundheitlich gefährden.

Zum Thema "Gesundheit in Corona-Zeiten":
Corona & Co: Hände gründlich und oft waschen


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