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Legasthenie: Wenn Lesen und Diktate eine Qual sind

Liest euer Kind stockend, lässt Wortteile aus, fügt welche hinzu oder verdreht sie? Würfelt es beim Schreiben Buchstaben wild durcheinander und quält sich bei jedem Diktat? Dann informiert euch hier über Lese-Rechtschreibstörung.


Legasthenie - wie unterstützt man die Kinder am besten?

Schreibt man Lied mit "ie" oder "ei" in der Mitte und mit "d" oder „b“ am Ende? Für die meisten ist die Antwort ganz klar, aber Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) können sich genau dies nicht merken. Sie können sich Wortbilder nicht so einfach einprägen. Dadurch machen sie viele Fehler im Diktat. Meist nicht nach einem bestimmten Muster, sondern mal schreiben sie ein Wort richtig, zwei Zeilen später wieder falsch. Lesen strengt Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung natürlich auch total an, weil sie eben keine Wortbilder in ihrem Gehirn abrufen können, sondern Buchstabe für Buchstabe entziffern müssen. Öfter verrutschen sie in der Zeile, da sie den Sinn des Textes gar nicht aufnehmen können.

Dabei sind sie alles andere als dumm. Aber genau davor haben sie Angst, von Mitschülern und Lehrern als dumm abgestempelt zu werden. Hier ist Unterstützung, Aufklärung und ein offener Umgang mit der Lerneinschränkung von Eltern- und Lehrer-Seite gefragt. Zudem können Eltern nicht-betroffener Schüler einen Beitrag leisten, wenn sie ihren Kindern zu Hause erklären, dass eine Lese-Rechtschreibstörung (LRS) keineswegs was mit fehlender Intelligenz zu tun hat. Es ist eine anerkannte Lernstörung, unter der auch so schlaue Menschen wie Albert Einstein, Leonardo da Vinci und Apple-Mitgründer Steve Jobs litten.

Kinder mit LRS haben eine gestörte Wahrnehmung

Völlig geklärt sind die Ursachen einer Legasthenie noch nicht. Genetische Faktoren spielen auf jeden Fall eine Rolle. Deswegen kommen Lese-Rechtschreibstörungen in Familien gehäuft vor. Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass betroffene Kinder auditive und visuelle Wahrnehmungsstörungen, das heißt u.a. Probleme bei der Differenzierung und Verarbeitung von Lauten haben.

Liest euer Kind äußerst langsam (und daher i.d.R. auch sehr ungern), schreibt dasselbe Wort immer wieder anders und macht sehr viele Rechtschreibfehler, ist sein Schriftbild unregelmäßig und dazu recht unleserlich? Dann sprecht am besten mit der Deutschlehrerin bzw. dem Deutschlehrer eures Kindes über den Verdacht auf eine LRS. Doch nicht bei allen Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten muss es sich gleich um eine Legasthenie handeln. Es kann auch eine vorübergehende Lese-Rechtschreib-Schwäche vorliegen. Hier geben die LRS-Tests, die beim Kinder- und Jugendpsychologen bzw. Kinder- und Jugendpsychiater erfolgen, Auskunft. Denn die Legasthenie ist klar definiert: Liegen die Ergebnisse laut standardisierter Tests zu Lesegenauigkeit, Lesegeschwindigkeit, Leseverständnis und/oder Rechtschreibfertigkeit deutlich unter denen der Altersgenossen und sind die schulischen Leistungen stark beeinträchtigt, so ist von einer Legasthenie auszugehen. Jungen sind übrigens zwei- bis dreimal häufiger als Mädchen betroffen.

Online-LRS-Test zur ersten Einschätzung bei Verdacht auf Legasthenie*

Legasthenie betrifft nicht nur das Fach Deutsch

Eine Legasthenie wirkt sich auf viele Schulfächer aus. Nicht nur Lesen, Diktate und Deutschaufsätze sind eine Qual, sondern in fast allen Fächern wie z.B. Sachkunde, Geschichte, Biologie, Englisch und selbst in Mathematik ist Textverständnis wichtig. Eine Lese-Rechtschreibstörung beeinträchtigt letztendlich die gesamte Erlebniswelt des Kindes und hat nicht selten mangelndes Selbstbewusstsein oder auffälliges Verhalten (Frust, Aggressionen, sozialer Rückzug) bis hin zur Schulangst zur Folge. Um die Chancen in der Schul- und Berufsausbildung zu verbessern, ist es entscheidend, dass die Behandlung möglichst früh einsetzt. Einfach geheilt werden kann eine Lese-Rechtschreibstörung zwar nicht, aber die Betroffenen können individuell gefördert werden.

Lese-Rechtschreibstörung: Förderung früh beginnen

Mit Hilfe einer gezielten und frühen Förderung im Sinne von Wahrnehmungsarbeit, d.h. Trainieren der visuellen Informationsverarbeitung, bei speziell ausgebildeten Therapeuten lassen sich die Schwierigkeiten deutlich verbessern. Es ist auch hilfreich, das phonologische Bewusstsein, also die sprachliche Informationsverarbeitung, zu trainieren. Das heißt, die Lautstruktur der gesprochenen Sprache zu verstehen und sprachliche Einheiten wie Wörter, Reime, Silben und Buchstabenlaute zu erkennen. Computerprogramme können die Förderung von Schülern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten unterstützen. Es gibt hierfür spezielle Software-Programme, die auf die Bedürfnisse von Kindern mit Legasthenie zugeschnitten sind.

Tipps für Eltern von Kindern mit LRS

Was können Eltern tun? Leidet euer Kind an einer Lese-Rechtschreibstörung solltet ihr alle Fördermöglichkeiten in Absprache mit Therapeuten und Lehrern inkl. Nachteilsausgleich der Schulen (u.a. Zeitzuschlag und Notenschutz in Form von Nichtwertung der Rechtschreibung in Aufsätzen) in Anspruch nehmen. Vor allem aber stärkt eurem Kind den Rücken, fördert seine Begabungen und übt regelmäßig und geduldig mit ihm nach den therapeutischen Empfehlungen. Motiviert euer Kind bei Schreib- und Leseübungen und lobt es, unabhängig vom Ergebnis, schon allein für seinen Einsatz. Lest gemeinsam kurze Texte laut vor und trainiert die richtige Schreibweise von Wörtern mit einem Karteikarten-System. Besonders wichtig ist es aber, euer Kind über seine Störung aufzuklären und ihm das Selbstvertrauen zu geben, offen mit seiner Legasthenie umzugehen.

Wertvolle Lern- und Selbsthilfetipps findet ihr auch beim Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie e.V.

Bei einer vom Psychologen oder Psychiater attestierten Legasthenie-Diagnose könnt ihr übrigens i.d.R. die Kosten für Lernmaterialien und Nachhilfe als "außergewöhnliche Belastungen" steuerlich absetzen.

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*Link zur schlaudino-Website vom Beinstein Verlag, unbezahlte Werbung



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